Homöopathie statt Multimedikation?

Homöopathie statt Multimedikation?

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Multimedikation bei älteren Patienten ist schlecht erforscht – kann Homöopathie unterstützen?

Homöopathie und Multimedikation – wie hängt das zusammen? Dem Leiter des Instituts für klinische Pharmakologie der Medizinischen Fakultät Mannheim an der Universität Heidelberg zufolge, haben Menschen im Alter von 80 Jahren im Durchschnitt etwas mehr als drei Diagnosen. Viele müssen, Prof. Dr. med. Martin Wehling in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung zufolge, mehrere unterschiedliche Medikamente pro Tag einnehmen. Acht Präparate seien nicht selten. Das liege an sich verändernden Organfunktionen, deren Leistung mit zunehmendem Alter abnimmt. Besonders hebt der Mediziner die Niere hervor. Im Alter von 80 Jahren funktionieren die beiden Nieren nur noch wie eine. Das beeinflusse, wie Medikamente im Körper verteilt und abgebaut werden und wie sie wirken. Der Zusammenhang lässt sich einfach darstellen:

Je mehr Krankheiten, umso mehr Medikamente kommen zum Einsatz.
Je älter der Körper, umso höher ist die Gefahr von ungünstigen Wechsel- und Nebenwirkungen.

Zu wenig Forschung über Multimedikation bei älteren Patienten

Ein Problem dabei: Medikamente durften bisher nicht an älteren Menschen im Rahmen von Studien getestet werden. Mittlerweile hat die Europäische Arzneimittelagentur Ema durchgesetzt, dass über 65-Jährige nicht mehr von Medikamenten-Studien ausgeschlossen werden dürfen. Dennoch ist diese Altersgruppe in Studien unterrepräsentiert. Altersspezifische Probleme blieben dabei unberücksichtigt. Studien, die sich nur auf alte Menschen konzentrieren, fehlen zudem fast vollständig. Hinzu kommt, dass solche Studien aufgrund ihres komplexen Settings unter Berücksichtigung der Multimedikation sehr teuer sind. Nur wenige seien bereit, das zu finanzieren. Vor diesem Hintergrund hat die Ema Anfang des Jahres ein Papier veröffentlicht. Darin legt die Behörde Kriterien fest, wie Studien in Zukunft mit Blick auf die speziellen Bedingungen bei älteren Patienten gestaltet sein sollen.

Homöopathie bei chronisch kranken Patienten kann begleitend eingesetzt werden

Viele Medikamente, deren Wechselwirkungen bei älteren Patienten zu wenig erforscht sind – welche Lösung gibt es? Nicht einfach monopathologisch, also auf eine Krankheit oder ein Organ bezogen denken, fordert zum Beispiel Cornel Sieber, Leiter der Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Geriatrie am Krankenhaus Barmherzige Brüder in Regensburg und Vorsitzender der Gesellschaft für Innere Medizin. Den Blick also aufs Ganze richten? Das ist auch das Credo der Homöopathie. Welche Rolle die Homöopathie bei der Betreuung und Behandlung von chronisch kranken Menschen spielen kann, hat zum Beispiel Petra Plunger (1) in einem Kongressbeitrag der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Homöopathie (WissHom) beschrieben. Homöopathische Arzneimittel können begleitend angewendet werden. Ziel dabei ist es, die konventionelle Arzneimitteltherapie zu unterstützen oder im besten Fall neben- und wechselwirkungsarm zu ersetzen.

(1) Petra Plunger. Homöopathie in der Betreuung chronisch kranker Menschen. ICE 7. InHom 2008. http://www.wisshom.de/dokumente/upload/6c939_ice7_kongressband_teil2_akt.pdf.

Dr. med. Fred-Holger Ludwig
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